Aus der Presse: SFG Olpe zählt zum Hochadel des Volleyballs in NRW

26 März 2025

Sie befinden sich in einem Alter, in dem der Abnabelungsprozess von Zuhause in vollem Gange ist. Große Gemeinschaftserlebnisse mit den Eltern? Eher nicht. Und doch haben diese 16- und 17-jährigen jungen Volleyballerinnen vom VC SFG Olpe ihren „Alten“ so viel zu verdanken. Denn ohne deren Unterstützung wäre der 6. Platz bei den Westdeutschen Meisterschaften der U18 in Bielefeld vielleicht nicht möglich gewesen.

Die Fahrkarten zu diesen finalen Titelkämpfen haben sie vor wenigen Wochen in Olpe gelöst – und zählten damit zu den Top-12 in Nordrhein-Westfalen. In Ostwestfalen haben sie nun den Deckel draufgemacht: Platz sechs. Und daran hatten auch die Eltern sowie manche Geschwister einen riesigen Anteil. „Unsere Fans haben uns unglaublich gepusht“, gab Mannschaftskapitänin Emma Basch die einhellige Meinung aller Spielerinnen wieder.

„Steht auf, wenn ihr Olper seid / Kämpft hart, denn es ist soweit / Steht auf, wenn ihr Olper seid / Ballert hart, das ist euer Fight“. In gemütlicher Eltern-Trainer-Runde wurde nach dem ersten Wettkampftag ein Liedchen gedichtet, sagte Co-Trainerin Natascha Kempf-Dornseifer. Und es traf genau zu, was die Gemütslage der Mannschaft betraf. „Da waren eben viele Abs und Downs“, so die Co-Trainerin, „es war eine Stimmung von Himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt.“

Beste Beispiele lieferten so einige der Partien. Verlief die Vorrunde mit dem 2:1 gegen die DJK Sportfreunde Datteln und dem 0:2 gegen den späteren neuen Westdeutschen Meister RC Sorpesee fast programmgemäß, so folgte anschließend ein richtiges Wechselbad der Gefühle. Das Viertelfinale war mit Platz zwei in der Vorrunde erreicht. „Es ist unser das Minimalziel“ war schon im Vorfeld der Tenor – aber es dürfte auch etwas mehr sein.

Dass es „etwas sehr viel mehr“ wurde, verhinderte noch am Samstagabend im Halbfinale Blau-Weiß Aasee. Das 8:25 im ersten Satz war eine Klatsche, das wollte niemand schönreden, befand auch Trainer Hans Gerke. „Da fehlte jegliche Konzentration, das Halbfinale war durchaus möglich.“ Und Emma Basch: „Da waren wir mental sehr schwach.“ Immerhin „nur“ 18:25 im zweiten Satz, Schadensbegrenzung.

„Steht auf, wenn ihr Olper“ intonierten die Fans dann am Sonntagfrüh in der Alm-Halle – und schon war wieder „richtig gute Stimmung auf dem Feld“, freute sich auch Mira Naber, die wie Emma Basch und Anna Lena Beul auf Regionalliga-Erfahrung verweisen kann. Die Partie gegen VV Humann Essen wurde unisono als bestes Spiel, ähnlich wie gegen Sorpesee, bezeichnet. Aber auch diese Begegnung war ein Spiegelbild der Unbeständigkeit.

Am Ende hatten die SFG-Mädels mit 2:1 (25:18,14:25,15:13) das bessere Ende für sich. Und es sprach auch für die mentale Stärke, dass sie das 14:25 wegsteckten und den Tie-Break zu ihren Gunsten entschieden. „An diesen Schwankungen müssen wir arbeiten“, so der Coach Hans Gerke, „wir müssen trainieren, Rückstände aufzuholen, Stresssituationen antizipieren. Aus diesen Hoch-und-Downs müssen wir rauskommen.“ An der Körpersprache muss weitergearbeitet werden.

Mira Naber führte diese Schwankungen auch auf den außergewöhnlichen Höhepunkt der Saison zurück: „Wir waren hier viel aufgeregter als in den Meisterschaftsspielen der Regionalliga, die Anspannung ist irgendwie größer. Aber es war schon ein cooles Ereignis.“ Und dieses coole Ereignis wurde mit dem Spiel um Platz fünf abgeschlossen – und sollte fast symptomatisch für die Gefühlswelt der Mädels sein.

Wie bereits in der letzten Quali-Runde hieß der Gegner Bayer Leverkusen – und da gab es ein 2:0 für SFG. Was sollte jetzt nach dem 25:12 im ersten Satz noch schiefgehen? „Da haben sie wohl gedacht: Naja, das klappt schon“, so Gerke. Doch nichts klappte. 18:25 und 11:15. „Geschenkt“ hakte der SFG-Coach die Partie ab, „schade. Insgesamt war schon etwas mehr drin.“ Da half auch kein Aufstehen der Olper Fans mehr.

Anna Lena Beul blickte auch selbstkritisch zurück: „Der Angriff war ja ganz okay. Unser Hauptproblem ist die Annahme. Aber generell können wir sehr zufrieden sein, auch wenn etwas mehr drin war.“ Zuspielerin Emma Basch sah besondere Stärken beim Angriff über Außen wie auch beim Block. Aber dazu gehört neben den mentalen Problemen auch etwas Losglück.

Wie eng die Leistungsdichte ist oder sein kann, belegen die Spiele von SFG gegen die beiden Finalisten. Sorpesee besiegte SFG in der Vorrunde mit 25:18 und 25:19, während Aasee im Finale gegen Sorpesee beim 0:2 nur 15 bzw. 14 Punkte in beiden Sätzen holen konnte.

Kader
Zuspiel: Emma Basch und Janne Naber. Mitte: Lena Peukert, Pia Sauter, Lea Jürgens. Außen: Anna Lena Beul, Charlotte Rademacher, Mira Naber. Libera: Alea Gashi.
Auf der Betreuerbank saßen Hans Gerke (Trainer), Natascha Kempf-Dornseifer (Co-Trainerin), Victoria Popov (Schiedsrichterin) und Ledina Gashi (Physiotherapeutin).